Vereinigungen der Francisceer und Förderverein Francisceum
Egon-Günter Petzold, Brannenburg

Die 1919 gegründete "Vereinigung Zerbster Francisceer" hatte den Sinn, die Schul- und Klassenkameradschaft sowie die Bindung und Erinnerung an die Schule lebenslang zu bewahren. Sie stiftete für soziale Zwecke und schenkte Prämien für gute Schüler. Die Jahreshauptversammlungen und Treffen fanden in Zerbst statt mit einer Schulfeier, abendlichen Vergnügen und Sonntag Tanz im Vogelherd. Wie alle Vereine löste sich auch die "Francisceervereinigung" zum Ende des 2. Weltkrieges auf.

Erstmalig wieder fand im Sommer 1953 ein Schultreffen statt. Die Beteiligung war durchaus rege, aber es wurde das letzte Treffen mit ehemaligen Schülern aus ganz Deutschland in Zerbst. Bis dahin und danach war ein größerer Teil ehemaliger Schüler in die Bundesrepublik gewechselt und dort ansässig geworden. Und so gründeten dort "Ehemalige" 1961 neu die "Vereinigung ehemaliger Zerbster Francisceer". Seit der Neugründung wurden die Treffen jährlich in einer anderer Stadt durchgeführt. Dazu gehörten nun auch die ehemaligen Schülerinnen des Lyzeums, die nicht das Francisceum besucht hatten. Erst in den 80er Jahren konnten durch Reiseerleichterungen auch einzelne "Ehemalige" aus der DDR an den Treffen teilnehmen, die freudig begrüßt wurden und Kostenbeihilfe erhielten.

Natürlich waren die "Ehemaligen" in den fast 30 Jahren gealtert und hatten durch Tod an Zahl abgenommen, dass die Besucherzahlen bei den Treffen allmählich kleiner wurden. Vor allem aber wollte keiner von ihnen die Arbeit des Vorsitzenden übernehmen, die Karl-Heinz Friesenhausen lange Jahre vorbildlich inne hatte. Er konnte Jutta May noch dazu überreden, jedoch nur für 4 Jahre. So zeichnete sich ab, was von einzelnen auch geäußert wurde, dass die Vereinigung mangels Nachwuchs überaltert und bald ohne Führung sein würde.

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Die Erlangung der Einheit Deutschlands 1989/90 eröffnete dann ein völlig neue Lage, Möglichkeit und Notwendigkeit. Zum einen die Wiederzuwendung an den Ursprung - das Francisceum - und zum anderen die Werbung und Zuführung jüngerer ehemaliger Schüler, um die Vereinigung zu retten.

Da in Zerbst 1990 der Förderverein Francisceum e. V. gegründet worden war und über einen kompetenten Vorstand verfügte, schlug ich der Francisceervereinigung vor, diese mit dem Förderverein zusammenzulegen, was die praktischste und beste Lösung war. Obwohl natürlich zwischen einer Schülervereinigung und einen Förderverein ein Unterschied besteht, bedingen und verlangen besondere Situationen auch besondere und ungewöhnliche Maßnahmen. "Man" lehnte das jedoch seitens der "Francisceervereinigung" entschieden ab. Auch mein Versuch einer Meinungsänderung durch den von mir veranlassten Besuch des 31. Treffens 1991 in Münster/Handorf und das dortige Auftreten mit kurzer Ansprache von Herrn Dr. Schmaling und die Anwesenheit von Herrn R. Schmidt mit Frau und Herrn und Frau Hoppadietz änderten nichts, führten sogar zu einer offenen Kontroverse und Missachtung derselben. Ein Jahr später bei dem 32. Treffen in Lüneburg 1992 trat dann das ein, was vorauszusehen war, man aber nicht wahrhaben wollte. Jutta May legte ihr Amt nieder, aber kein Ehemaliger war zur Übernahme bereit. So erklärte sie das Ende der Vereinigung. Werner Schmidt und Horst Lange wurden das Amt aufgedrängt. Sie waren aber nur zur Abwicklung bereit. Nun sprach Karl-Heinz Friesenhausen auf einmal von den Jungen, die alles weiterführen sollten in Zerbst und den zukünftigen Treffen dort. Zu späte Einsicht! Einige hatten nicht erkannt und vor allem nicht den Willen, die Wiedervereinigung Deutschlands als Chance zu sehen und zu nutzen, die Bindung an die Schule und Zerbst wiederherzustellen - und das als ehemalige Francisceer -. Letzteres war der Teilung Deutschlands zum Opfer gefallen, wie so vieles.

Das durch den Förderverein bzw. Schule glänzend organisierte Treffen anlässlich der 190-Jahrfeier unserer Schule 1993 bewies durch große Teilnahme, auch "Ehemaliger" aus den alten Bundesländern, die Anhänglichkeit vieler ehemaliger Francisceer. Und das seither jedes Jahr wieder.

Die "Vereinigung Zerbster Francisceer" war vor dem Krieg ein Begriff in Zerbst. Ihre Neugründung in der Bundesrepublik Deutschlands war in unserer Geschichte aus den bekannten Gründen eine Zwischenlösung. Praktisch besteht der Förderverein überwiegend aus ehemaligen Schülern, also Francisceern. Mein Vorschlag, den Begriff und den Namen "Vereinigung ehemaliger Francisceer" zu erhalten und in irgendeiner Form mit dem Förderverein zu verbinden, scheiterte 1998 an Vorurteilen. Dabei kommen alle zu den jährlichen Treffen mit einem gewissen Stolz als ehemalige Francisceer in ihr Francisceum und bekennen sich dazu. An Traditionen sollte man festhalten, sie wirklich überliefern, wie es mit dem Namen "Francisceum" geschieht in Erinnerung an den Namensgeber unserer Schule, Fürst Friedrich Franz, und seine Ideale: " Aufklärung und Bildung", die immer gelten.

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