Restaurierungen und Neuerwerbungen in der Francisceumsbibliothek 2000
Iruta Völlger und Petra Volger, Francisceumsbibliothek

Auch in diesem Jahr gingen wieder über den Förderverein umfangreiche Geldspenden für die Francisceumsbibliothek ein. Diese Gelder wurden gezielt für die Restaurierung historischer Druckwerke und den Kauf wertvoller Faksimileausgaben mittelalterlicher Handschriften in besonderer Buchform eingesetzt, wie z. B. ein Rollenbuch, eine liturgische Schriftrolle, die eine kolorierte Bilderhandschrift mit "auf dem Kopf stehenden" Text darstellt. Während des Lesens der Texte in einer Messe rollte der Priester die Bilder für die des Lesens unkundige Gemeinde ab, um ihnen damit den Text leichter verständlich zu machen.

Eine weitere Rarität konnte mit dem Kauf eines "Beutelbuches" erworben werden, von denen im Original weltweit nur noch 17 Stücke existieren. Diese Buchform war im Mittelalter bis zum 16. Jahrhundert vornehmlich für Kreise der Kirche üblich. Mit dem über die untere Deckelkante hinaus verlängertem Überzugsleder wurde das Buch am Gürtel getragen.

Das Miniatur-Skizzenbuch des Francesco di Giorgio Martini, um 1470 entstanden, bildet ein weiteres Kleinod der neu erworbenen Faksimiles. Die auf einem Format von nur 5,9 x 8 cm skizzierten Konstruktionszeichnungen von Maschinen und Vorrichtungen sind ein Spiegelbild der Wissenschaft und Technik jener Zeit. Als kleines Hand- und Taschennachschlagewerk war es für den persönlichen Gebrauch des Künstlers bestimmt.

Die vierte neuerworbene Rarität ist eine Bilderhandschrift, entstanden nach 855: "Wandalbert von Prüm: Das Reichenauer Martyrologium für Kaiser Lothar I.". Das Buch ziert ein Halbledereinband (blindgeprägtes Schweinsleder) mit sichtbaren Vollholzdeckeln und einem eingelassenen Elfenbeinreplikat (Gemme) mit dem Porträt Kaiser Lothar I.

Durch den Eingang großzügiger Spenden konnte auch im letzten Jahr eine Vielzahl stark reparaturbedürftiger Bücher aus dem 15. bis 19. Jahrhundert restauriert werden. Darunter sind besonders zu erwähnen:

eine Inkunabel aus dem Jahre 1480 "Spiegel des Sünders"; ein Sammelband mit Reformationsschriften von Luther und Zwingli, 1523 - 1526; eine Plutarch-Ausgabe "Das Leben Cäsars", 1532; ein medizinisches Lexikon von 1534; eine Ausgabe des Katechismus von 1573; eine kleine Schrift über "Die Tollheit der Hunde" von 1816, mit 3 handkolorierten Kupferstichen der "elenden Kreaturen" und eine persische Handschrift, welche eine 1863 erschienene Gedichtssammlung, Diwan genannt, enthält.

Auf diesem Wege möchten wir all denen danken, durch deren Geldspenden es möglich war, neue bibliophile Schätze für die Bestandserweiterung der Bibliothek zu erwerben

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und alte Kostbarkeiten durch die Restaurierung vor dem Verfall zu bewahren, damit sie auch künftigen Generationen zugänglich bleiben. Herzlich bedanken möchten wir uns auch bei allen, die durch Bücherspenden den Bibliotheksbestand bereicherten, besonders bei Frau Prof. Dr. Hildburg Bethke, die uns eine umfangreiche Bücher- und Zeitschriftensammlung überreichte.

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