Grußworte zur Festveranstaltung

Herr Friedrich Kolbitz, Regierungspräsident

Er freute sich, dass er das 197jährige Jubiläum heute, hier, begehen kann und ging auf die Bedeutung der Neubegründung der Schule im Jahre 1803 durch Vater Franz ein. Er betonte, dass er sich in besonderer Weise mit dem Francisceum verbunden fühlt, da er selbst Schüler der Schule war. Er beglückwünschte die Jubilare -50 Jahre Abitur- zu ihrem Jubiläum und bemerkte, dass ihr Abiturjahr gleichzeitig sein Geburtsjahr war.

Er erwähnte das Jubiläum des Fördervereins und sagte, dass sich das Francisceum und der Förderverein in beeindruckender Weise für die Schule engagieren und wünschte ein weiterhin gutes Gelingen und viele Mitglieder.

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Herr Gerhard Michaelis, Landrat

Herr Michaelis sprach vom Austausch alter Erinnerungen, vom Abitur vor 50 Jahren, dass in die Zeit des Aufbruchs in Deutschland fiel. Er hielt eine kurze Rückschau über die Zeitepoche. Er sagte, dass das neue Jahrhundert mit viel Dynamik und Turbulenzen in der Verwaltung, Gebietsreform, begonnen hat. Auch im gymnasialen Bereich werden sich Veränderungen auf Grund zurückgehender Schülerzahlen ergeben. Er sprach auch über die Kritik zur Besetzung der Stellen der Francisceumsbibliothek und über die Investitionen in Höhe von insgesamt 7,2 Millionen DM, die der Landkreis in den letzten Jahren für das Gymnasium zur Verfügung stellte.

Für die Zukunft sind die Schaffung von 3 Unterrichtsräumen und die brandschutztechnische Sicherung des Gebäudes in der Fuhrstraße vorgesehen. Auch die Aufnahme der gymnasialen Oberstufe aus Loburg im Francisceum wird vorbereitet. Zum Abschluss sprach Herr Michaelis der Schulleitung seinen Dank für die geleistete Arbeit aus.

Herr Helmut Behrendt, Bürgermeister

Herr Behrendt gab einen kurzen Rückblick über die Geschichte in den Kriegs- und Nachkriegsjahren in Verbindung mit dem 50jährigen Abiturjubiläum. Das 10jährige Bestehen des Fördervereins Francisceum wurde auch erwähnt. Herrn Schmidt, Frau Möbes und Herrn Dr. Schnelle wurden für ihre Tätigkeit im Verein gedankt.

Frau Ursula Bock geb. Zähnsdorf, Mannheim, ehemalige Francisceerin des Jubiläums -50 Jahre Abitur-

Liebe Freunde des Francisceums, ein Freund ist jemand, vor dem man laut denken kann, hat ein kluger Mensch gesagt, so will ich es versuchen. Eigentlich war ich etwas ungehalten, als ich im letzten Jahr zum Redner für die heutige Feier bestimmt wurde. Man lässt sich nicht gern fremdbestimmen. Zweifel kamen mir auch, ob ich es kann. Von Christine Brückner habe ich gelernt, dass es keine ungehaltenen Reden von ungehaltenen Frauen geben dürfe. Wer das hübsche Buch von ihr gelesen hat, weiß z. B., dass es dem Dr. Martinus Luther gut getan hätte, wenn seine Katharina hätte reden dürfen. Heute dürfen Frauen sich artikulieren. Die Gesellschaft hat sich geändert, aber langsam, schrittchenweise nur.

Noch als wir in diese Schule kamen hieß es: Oberschule für Jungen - Mädchen zugelassen. Das war 1942. Zerbst lag zu der Zeit im friedlichen Schlummer. Der Krieg war weit weg. Zwar wurden die oberen Klassen leer und leerer. Die großen Schüler wurden eingezogen - doch wir kleinen Sextaner waren davon wenig berührt, sofern nicht das Schicksal schon zugeschlagen hatte und die Väter für Herrn Hitler in den Krieg mussten. Wir fingen an, uns - stolz erfüllt - als Gymnasiasten zu fühlen. Wir Mädchen waren alle schrecklich verliebt alle in "Einen", den Namen werde ich nicht nennen, so darf sich jeder der ehemaligen Mitschüler angesprochen fühlen. Irgendwann

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lernt man dann, dass die großen Entscheidungen fürs Leben nicht in der Sexta getroffen werden und engagiert sich anders.

Langsam schlich der Krieg heran. Neue Mitschüler kamen zu uns in die Klasse. Aus Berlin, aus Städten in denen der Bombenterror wütete, aus den bedrohten Ostgebieten. Schlimme Nachrichten erreichten die Familien, Väter, Brüder gefallen, vermisst. Dann kam der für Zerbst schreckliche 16. April 1945 - und dann gab es auch keine Schule mehr. Praktische Aufgaben gab es nun, um das Überleben zu meistern, keine Schulaufgaben. Aufgaben, an denen man reifte, denn wie oft war es so, dass Kinder ihre Eltern, vor allem ihre Mütter, trösten mussten nach all den Verlusten.

Langsam ging's dann wieder los mit der Schule. Es gab eine Schulreform, Mittelschüler und Oberschüler wurden von da an zusammen unterrichtet. Man gewöhnte sich schnell aneinander und auch daran, dass die Lehrer nicht mehr "Heil Hitler" sagen mussten. Es hieß freundlich "Guten Morgen", denn nun zogen ja Demokratie und Sozialismus ein. So richtig bewusst war uns das zu Anfang gar nicht - man "wurschtelte" sich durch. Man schwärmte für den Trompeter von der Tanzkapelle Kurt Henkels, dessen schmelzende Soli viel besser waren als die von Frankiboy in "Verdammt in alle Ewigkeit". Auch große Kultur war angesagt. Oper in Dessau, in Zerbst Konzerte, arrangiert von der Buchhandlung Gast. Das Leben normalisierte sich. Wir waren jung, verliebt, enttäuscht, eifersüchtig, wie junge Leute eben so sind. Glück und Unglück liegen in dem Alter dicht beieinander. Und unglücklicherweise wurde es für einige dann weniger schön. Sie mussten unter äußerem Druck die Schule verlassen, waren den Entscheidungen irgendwelcher Staatsorgane ausgeliefert. Andere strebten mehr oder weniger eifrig dem Abitur entgegen, wie z. B. ich. Unangenehme Dinge wurden heruntergespielt. Auch ein totalitärer Staat kann nicht überall sein. Aber beim Abitur mussten wir dann doch politisch Flagge zeigen, der sogenannte "Siebener Ausschuss" hatte beschlossen, unsere Gesinnung abzuklopfen. Von Heini Rohlfs bestens vorbereitet schafften wir diese Hürde spielend - doch dann kam die große Frage: was tun, wenn man keinen Ausbildungsplatz, keinen Studienplatz bekam. Die Gründe waren vielschichtig, doch man konnte weder sich noch seine Herkunft ändern. Warten, bis es klappt, in den Westen gehen? Einige fühlten sich hier gebunden, konnten ihre Eltern nicht verlassen, andere hatten Glück mit dem Studienplatz, andere gingen. Es war wohl für keinen eine einfache Entscheidung, man ist da sehr allein, wenn man so einen Entschluss fassen muss, oft gegen sein Gefühl, gegen seine Familie, so oder so.

50 Jahre sind seit dem Abitur vergangen. Jetzt sitzen wir hier in unserer schönen Aula, einem Ort, an dem für mich immer wieder Vergangenheit Gegenwart und Zukunft zusammenfließen. Das, was wir in der Schule gelernt haben, ist eine Sache. Was dann in den folgenden 50 Jahren zu lernen war, erwies sich von ganz anderer Art. Manche Lebensplanung hat nicht so geklappt, wie man es sich vorgestellt hat. Manches war unerreichbar, weil die Verhältnisse nun mal nicht so waren. Erfolg, das haben wir lernen müssen, ist nicht immer eigenes Verdienst, Zufall und Glück spielen eine große Rolle. Und oft werden große Ziele, die man als junger Mensch hat, der Realität angepasst. Das Leben lehrt einen, die Gewichtigkeiten anders zu setzen. Wir sind eine

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Generation, auseinandergerissen durch den Ost-West-Konflikt, aber doch zusammengeschweißt durch gemeinsame Erlebnisse in der wichtigen Zeit des Erwachsenwerdens. Wir sind aber auch geformt durch diese Schule. Außer dem Francisceum gibt es in Deutschland wohl nur noch zwei Schulen, die so prägend wirken: Schulpforte und das Maximilianeum in München.

Keine Schule lebt ohne ihre Lehrer. Ich möchte keine Aufzählung beginnen, einmal um keinen zu vergessen, zum anderen weil die jungen Leute unter uns die gleichen Erinnerungen haben können wie wir. Nur Papa Münnich muss ich erwähnen, der so freundlich aus seinem Bild auf uns herablächelt. Mir und sicherlich anderen auch, hat er so viel mitgegeben, hat meine Verhaltensmuster beeinflusst, bis heute. Er würde sich bestimmt freuen, uns hier sitzen zu sehen, und er wäre traurig mit uns, weil einige nicht mehr unter uns sind.

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft! Wir alle freuen uns in der Gegenwart, dass wir uns hier treffen dürfen. Wir haben eine lange Vergangenheit. Um die Zukunft müssen sich die Jungen kümmern. Vor uns liegen Aufgaben, kleine vor uns Älteren, große vor den Jungen. Ich wünsche uns allen eine glückliche Hand. Wir werden es schon schaffen. We shall overcome!

Herr Günter Heinze, Erkrath

Er betrachtete es als eine ganz besondere Ehre und Freude den 50jährigen Abiturjubilaren gratulieren zu dürfen. Er lobte die Idee von Frau Elisabeth Partheil geb. Pauli, die im vergangenen Jahr für das 50jährige Abiturjubiläum Anstecker angefertigt hatte. Herrn Heinze war von der Idee so begeistert, daß er einen Designer beauftragte, eine Plakette mit der Aufschrift "50 Jahre Abi Francisceum" und einer "Gesamtansicht des Francisceums" zu entwerfen, das ihm auch wunderschön gelungen war. Herr Heinze ließ sie anfertigen und sponserte sie dem Gymnasium. Er möchte, dass diese nette Geste der Ehrung zur Tradition wird.

Der Förderverein dankt Herrn Heinze recht herzlich für seine Initiative, die insgesamt 100 Anstecker werden für mehre Jubiläen ausreichen. Der Förderverein wird diese Tradition dann fortsetzen. Deshalb wünschen wir uns insbesondere, dass alle Jahrgänge zu ihrem 50jährigen Jubiläum so zahlreich und mit so viel Engagement und Begeisterung an unseren Schulfesttagen teilnehmen, wie es bisher der Fall war.

Auch die Rede der 50jährigen Abijubilarin, Frau Ursula Bock, war eine echte Bereicherung des Festaktes und wird hoffentlich auch zur Tradition.

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