Gedanken einer Jubilarin zu den Schulfesttagen
Rosemarie Szillat geb. Brandt, Gera

Die Vorfreude auf die Schulfesttage beginnt bei mir bereits zum Jahreswechsel, wenn das Nachrichtenblatt des Fördervereins eintrifft und an die letztjährigen gemeinsamen Stunden erinnert. Am letzten Aprilwochenende war es wieder so weit. Bei typischem Francisceer-Wetter begab ich mich freitags auf die Reise, dieses Mal mit etwas gemischten Gefühlen. Waren wir doch nun die 50jährigen Jubilare. Hat es unsere Lisa Partheil/ Pauli geschafft, dem Anlass entsprechend noch mehr als sonst zum Kommen zu bewegen? Ihr gebührt unser aller Dank für ihre unermütliche Suche und Mühe.

Am Sonnabend ging ich rechtzeitig auf dem alten Schulweg zur "Penne", um vorher möglichst viele zu erspähen. Tatsächlich waren wieder neue Gesichter dabei. Aber besonders überrascht waren wir alle, dass Lotte-Lore Lukas den weiten Weg von Südafrika nicht gescheut hatte. Leider konnte Renate Friese (Miami) ihre Zusage aus gesundheitlichen Gründen nicht einhalten.

Die Aula hat sich in den vergangenen 50 Jahren verändert. Sehr erfreut war ich, dass Bild unseres hochverehrten Herrn Dr. Münnich während der Feierstunde immer wieder betrachten zu können. Die Umrahmung des Festaktes durch Chor und Solisten widerspiegelte die musische Ausbildung an der Schule. Erinnerungen an unseren Studienrat "Hänschen" Urban wurden wach. Im Stillen habe ich Ulla Bock/Zähnsdorf nicht beneidet, dass sie die Rede der Jubilare übernommen hatte. Aber sie meisterte das bravourös. Ich glaube, sie erreichte mit ihren Ausführungen wohl alle Anwesenden besser als die überdimensionalen Grußworte der 3 Vorredner. Die Idee der Anstecknadel "50 Jahre Abi" ist lobenswert und das Design mit Tor, Turm und Aulafenster gelungen. 50 Jahre Abitur wird damit wohl endgültig zur Tradition und eine weitere Bereicherung des Francisceums.

Beim üblichen nachmittäglichen Kaffeeklatsch im Rephuns Garten gab es für uns eine schöne Überraschung. "Kickel" Huth/Meinecke hatte eine Jubiläumszeitung angefertigt, mit Fotos, Versen und Lebensweisheiten versehen. Vieles wurde dadurch wieder lebendig. Einige Ereignisse beschäftigten uns dann auch am Abend bei unserer Klassenfeier im "Kamin". Zum Beispiel war die Klassenfahrt nach Thüringen Gesprächsstoff. Wo und wie haben wir übernachtet? Und wer brachte Mehl und Kartoffeln mit, um andere Lebensmittel eintauschen zu können? Wie überhaupt haben wir uns verpflegt? Nicht alle Fragen konnten restlos geklärt werden. Übereinstimmend, jedenfalls an unserem Tisch, war das kleine "Kulturprogramm" im Gedächtnis geblieben. Damit hatten wir im Umfeld von Zerbst einen Beitrag zur Finanzierung der Fahrt geleistet. Beim Austauschen der Erinnerungen kann man fast nicht glauben, dass alles schon 50 Jahre und länger zurückliegt. Bis auf wenige Ausnahmen kommen alle Ehemaligen aus unserem Jahrgang regelmäßig zu den Treffen. Zur Tradition ist es inzwischen geworden, den durch Krankheit Verhinderten einen Kartengruß zu schicken.

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Ich möchte noch einige Eindrücke von meiner Heimatstadt hinzufügen. Wie allerorts gibt es auch in Zerbst Erfreuliches, zum Beispiel renovierte und sanierte Altbauten. Aber manche Strassen, besonders im Nordviertel findet man nur nach intensiver Suche. Traurig macht mich der Anblick der "Alten Brücke", und entsetzt bin ich, wenn ich zum Markt komme. Selbst die Ruine des Rathauses wirkte besser als der Wohnblock an dieser Stelle. Das kann doch nicht das Zentrum einer Stadt sein, die Stolz ist auf Katharina die II. und für Tourismus wirbt. Ich hoffe und freue mich auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

Bild der Abiturienten von 1950 (104KB)

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