Klassentreffen des Abiturjahrgangs 1954 - 45 Jahre Abitur
Begegnungen vom 15. bis 18. Oktober 1999
Dr. Klaus Kretschmar, Bonn

Diese Reise vom Rhein an die Nuthe war vielseitig und sehr interessant. Die Tage in der kleinen Kreisstadt vergingen wie im Fluge. Als Rentner reiste ich bereits am Freitag an, da ich am Samstag Vormittag noch einen Termin mit einer Gartenbaufirma aus Zerbst

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hatte, die die Gräber der Eltern und weiteren Vorfahren seit Jahren pflegen. Unsere Wünsche sind leicht umzusetzen und werden bis Mitte November realisiert. Anschließend bin ich an "Datters" letzter Ruhestätte vorbei, kurz seiner gedacht. Das nächste Ziel war der Nordhof des Francisceums, wo sich die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Oberschule als gestandene Damen und Herren nach Jahren wieder trafen. Bei mir persönlich waren inzwischen volle 45 Jahre vergangen. Um wirklich pünktlich zu den Klassentreffen zu erscheinen, bin ich am Heidetorfriedhof (Bereich Bullerberg) über die Nuthe gesprungen und durch den kleinen Durchlass in der Stadtmauer am Wehrturm auf den Nordhof gelangt. Eine Gruppe ehemaliger Mitschüler stand bereits dort und blickte gespannt auf den Haupteingang an der Brüderstrasse. Ich erschien entgegengesetzt von der Stadtmauer her und stand nun plötzlich vor den ehemaligen Mitschülern, die ich solange weder gesehen noch gesprochen hatte, von einigen Ausnahmen einmal abgesehen. Langsam erkannte man sich doch wieder. Auch bei mir hatte es einige Zeit gedauert, bis ich alle Damen und Herren richtig eingeordnet habe. Dieses Begrüßen hat doch etwa 30 bis 60 Minuten gedauert. Viele ehemalige Mitschüler kannten meinen weiteren Werdegang nicht und waren dann verständlicherweise erstaunt, dass ich am Rhein gelandet bin.

Nun begann der Rundgang durch das Francisceum. Gemeinsam besichtigten wir unsere ehemaligen Klassenräume von Klasse 9 bis Klasse 12. Fast jeder hatte in sämtlichen Klassenräumen ein kleines Erlebnis vorzutragen und unsere Lehrer von damals hatten es mit uns auch nicht immer leicht. Vom Hauptgebäude sind wir dann "im Gänsemarsch" durch die Nebengebäude gelaufen, vorbei am Lehrerzimmer, dem Sekretariat, dem Büro des Direktors bis zum Musikzimmer, wo die Einstudierung der einzelnen Stimmlagen erarbeitet wurde. Zurück liefen wir dann durch den großen und renovierten Alumnatskorridor, an dem die Biologie- und Chemieräume lagen. In diesen Räumen waren auch einige Versuche von uns damaligen Schülern ausprobiert wurden. Mancher "individuelle Versuch" zog eine Eintragung in das Klassenbuch nach sich. Die Folge davon war beispielsweise dann bei mir: das Taschengeld wurde gekürzt.

Nach diesen zweistündigen Rundgang fuhren wir dann gemeinsam in die kleine Pension Drechsel an der Dobritzer Strasse, wo wir bereits erwartet wurden. An einer großen Kaffeetafel nahmen wir ungezwungen Platz und das erzählen begann kontinuierlich und intensiv. Meine beiden Tischnachbarn waren Hildegard Plassa und Hubert Büchner, schräg gegenüber saßen Irene Metzker, Marie-Luise Baumgart, Helene Freihorst und Elli Jüling. Da gab es viel zu erzählen. Ich bin dann auch einmal an das andere Ende der Tafel gegangen und habe mich zu anderen ehemaligen Mitschülern gesetzt. Auch dort ähnliche Themen wie beruflicher Werdegang, Familienstand und heutige Arbeitswelt. In der Gaststätte (Nachbargebäude) wurde uns dann das Abendessen gereicht. Einige Zeit zuvor haben wir uns das Menü auf der Karte ausgesucht. Nach dem Abendessen verließen die eine oder der andere die fröhliche Runde. Gegen 23 Uhr war das Treffen dann viel zu schnell zu Ende.

Es wurde zum Schluss dann angeregt, das nächste Klassentreffen in ein oder zwei Jahren zu wiederholen. Gemeinsam mit Heinz Dietze und Rudolf Schmidt bin ich dann

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bis zu den Kasernen gelaufen, wo wir uns von Rudolf Schmidt verabschiedet haben. Heinz und ich, wir sind dann zum Weinberg das Stück weitergelaufen, wo er seinen Wagen geparkt hatte. Heinz hat mich dann noch bis vor das Parkhotel gefahren. Für ihn war das kein großer Umweg bis zum Geisthof, wo er und seine Frau Hanna übernachtet haben. Abschließend möchte ich mich bei den Mitschülern Inge Friedrich, Heinz Dietze und Rudolf Schmidt aufrichtig bedanken, die dieses Treffen unter großen Mühen vorbereitet und durchgeführt haben. Mir persönlich hat das Treffen der Klasse 12/1954 sehr zugesagt und ich hoffe doch sehr, dass keine 5 oder 6 Jahre vergehen, um sich erneut zu sehen und zu sprechen.

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